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Flieh, wenn du kannst –
da konnte ich mir alles und jedes drunter vorstellen, dementsprechend offen und neugierig kam ich in die Max-Beckmann Schule.
Erstmal Urlaubs- und Partystimmung, schüchterne Kinder mit bunten Drinks, Security, die lässig rumstand, und eine Horde Neuntklässlerinnen in lautstarker Pauschalurlaubspartylaune.
Ein bisschen unsicher waren sie aber doch, so zwischen den Besuchern herumzuhüpfen, aber sie haben sich immer wieder beherzt in ihren Part geschmissen, gejohlt, gejuchzt und ein paar Tanzschritte durch die Reihen gemacht. Es zog sich etwas, dieses Intro, für diese Dauer war es doch etwas wenig Material, oder war die leichte Monotonie gewollt?
Schließlich führten sie uns die Treppe hoch in den eigentlichen Theaterraum, wo die heile Urlaubswelt bald von Flüchtlingen, die mit letzter Kraft zur Bühne(Strand) robbten in etwas ganz anderes verwandelt wurde und die Produktion ganz bei sich war.
Großes inneres Engagement war in den kleinen Spielszenen spürbar, das körperliche Spiel war intensiv und pointiert. Schade, dass die Szenen alle so extrem kurz waren, gerne hätte ich mehr gesehen. Inhaltlich waren sie alle superdeutlich, ich hätte mir gewünscht, dass mal eine Figur etwas mehr Platz bekommt, aus den Beispielen eine kleine Geschichte würde. Denn es wurde ja die Anteilnahme der Zuschauer eingefordert, und das geht am besten über Personen und Geschichten. Haften bleiben auf jeden Fall die eindringlichen Bilder. Gut gewählte Objekte(die goldenen Schuhe) und am Ende die Einbeziehung des ganzen Raumes mit uns Zuschauern drin – da hat man gesehen was das arme Schultheater alles leisten kann mit seinen Mitteln.
Betont sachliche Kommentare zu den Videos über die Flüchtlingsproblematik waren ein wirkungsvoller Kontrast zum emotionalen Spiel auf der Bühne.
Von der Dramaturgie her fand ich es gut und richtig, das Geschehen mit den Tänzen zu gliedern. Die Ausführung hat mich ehrlich gesagt nicht so überzeugt. Angesichts der Direktheit und Härte der Spielszenen und der Videos fand ich die Tänze etwas seicht und flach, irgendwie waren die beiden Mädchen nicht so präsent wie die anderen. Der Abschnitt mit dem Schrei passte aber gut.
Die vielfältige Nutzung der nur auf den ersten Blick einfachen Bühneneinrichtung war genial!
Überhaupt Viewpoint Architecture: Höhepunkt war der dunkle Flur, in dem sich das Publikum staute; einzelne fühlten sich hörbar unbehaglich und vielleicht haben sich ja auch die Unempfindlicheren spätestens hier dem Anliegen des Stückes geöffnet. Ich fand es jedenfalls toll, wie sinnvoll und folgerichtig der Schulbau "mitspielte".
Das gilt auch für das Boot, das ich leider nur über Kopf sehen konnte, weil ich mich schon dafür ziemlich über das Treppengeländer hängen musste- trotzdem ein schönes starkes Bild zum Abschluss.
Fazit: Ein überzeugender Abend, der seinem großen und ernsten Thema gerecht wurde, mit so viel spürbarem Engagement, dass man darüber fast nicht merkte, wie gut und genau die Inszenierung geplant war. Richtig gutes Schultheater!
Gesine Nejjar (Mitglied des Arbeitskreises Darstellendes Spiel Berlin) |