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Am Mittwoch, 04.01.2012, hat für einige unserer Schüler und Schülerinnen der erste Schultag nach den Weihnachtsferien einmal anders als üblich begonnen: Die Teilnehmer und –innen an der Gedenkstättenfahrt im letzten Herbst (10.Jahrgang) und die 7.11 sowie einige Oberstufenschüler/innen hatten die Gelegenheit einen ganz besonderen Gast an diesem Vormittag zu treffen: Herrn Piotr Zettinger. Als Überlebender des Holocausts hat er uns seine Kindheitseindrücke über die schlimmen Lebensbedingungen im Warschauer Ghetto geschildert und wie er im Alter von vier Jahren dieser Hölle entkam.
Als Sohn polnischer Juden war er gerade erst 1 ½ Jahre alt als der 2. Weltkrieg 1939 mit dem Überfall auf Polen begann. Bereits kurz danach wurden seine Eltern und er wie alle in Warschau lebenden Juden gezwungen in das gerade errichtete Warschauer Ghetto zu ziehen. Piotr Zettinger war einer von etwa 2.500 jüdischen Kindern, die durch die sehr mutige und oftmals sehr riskante Rettungsaktion unter Leitung der katholischen Krankenschwester Irena Sendler gerettet werden konnten. Diese Flucht bedeutete für den kleinen Piotr die Trennung von seinen Eltern und den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Für seine Eltern, wie auch für die Eltern der anderen Kinder, war die Entscheidung ihre Kinder in die Obhut der Fluchthelfer zu geben eine der schwersten und dramatischsten Entscheidungen ihres Lebens, denn vielen war klar, dass sie ihre Kinder wohl nie wieder sehen würden, da sie ihr eigenes Überleben nicht sicherstellen konnten. Piotr Zettinger musste sich daran gewöhnen mit einer neuen Identität in der Obhut von Waisenhäusern, Klöstern und polnischen Familien zu leben, womit sehr häufige Wechsel seiner Aufenthaltsorte verbunden waren, damit seine unerlaubte Anwesenheit nicht auffiel. Mit seiner Angst und Einsamkeit blieb er oft allein und doch fand er in vielen seiner Verstecke auch immer wieder Momente der Geborgenheit und Wärme, wie z.B. bei den Nonnen im Kloster oder bei seinen „Freunden“, wie er die Tiere auf einem Bauernhof nannte.
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Herr Zettinger hat uns sehr plastisch verdeutlicht, welch großes Glück er gehabt hat zu überleben, wie sehr das Überleben vieler Menschen in dieser Zeit von reinen Zufällen abhing. Schnell hätte ihn auch ein anderes Schicksal ereilen können. Warum er überlebt hat und andere nicht, wirklich erklären kann das wohl niemand. Es hat Trost gespendet als wir erfuhren, dass es seiner Mutter gelang ihn, den kleinen Piotr, in den Wirren der Nachkriegszeit ausfindig zu machen, und das obwohl er seinen Namen ändern musste und sie zunächst natürlich keinerlei Anhaltspunkte hatte, wo er sich befand.
Heute ist Piotr Zettinger 73 Jahre alt, lebt seit 1969 in Schweden mit seiner Frau, seinen Kindern und mittlerweile auch Enkelkindern und kommt immer wieder aus Schweden nach Berlin, um Schülern aus seinem Leben zu berichten. Herr Zettinger hat sich sehr über eure vielen Fragen gefreut, die von großem Interesse, Verständnis und Wissen zeugten.
Wenn er auf sein Leben zurückblickt, dann sagt er, hat er ein glückliches Leben geführt. Starke Worte am Ende eines eindrucksvollen Vormittags. Wir danken Herrn Zettinger recht herzlich für seinen Besuch und wünschen ihm von Herzen alles Gute und noch viele glückliche Momente im Kreise seiner Familie.
Recht herzlich möchte ich mich auch bei Herrn Knaack und Frau Schneier von der Robert-Jungk-Oberschule bedanken, durch deren Kooperation dieses Treffen erst möglich geworden ist und aus deren Elternschaft auch die Dolmetscherin, Frau Karnetzka, mit dabei war, und unser deutsch-polnisches Gespräch so hervorragend in beide Richtungen übersetzt hat.
Herzlichen Dank an dieser Stelle auch noch mal an meine beiden Teamkollegen/in Herrn Marciniec und Frau Haß, die mich bei unseren Gedenkstättenfahrten und begleitenden Projekten immer sehr engagiert unterstützen.
M. Rauther (FB Gesellschaftswissenschaften)
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