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30 | 07 | 2010
Schulgeschichte

Die Geschichte unserer Schule umfasst mehr als ein Vierteljahrhundert. Sie wird als Gemeindeschule von Reinickendorf am 1. April 1907 gegründet. Ein eigenes Gebäude kann jedoch nicht bezogen werden, da mit dem Schulbau in der Auguste-Viktoria-Allee erst am 1. März 1908 begonnen wird. Acht Räume werden jeweils im Herbst 1908 und 1909 für den Schulbetrieb fertiggestellt. Roter Klinkerbau in Preußen: Kaserne - oder Schule! Die Ansicht von der Hofseite ist der steingewordene Beweis.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte unserer Schule die hohe Schülerzahl und der damit verbundene Bedarf an Räumen. So wird schon in den Jahren 1912-1914 ein Anbau erforderlich, der rote Klinkerbau wächst hinter dem 2. Treppenhaus in die Länge. Das neue kleinere Treppenhaus führt wie die beiden anderen auf den Westhof. Das Gebäude wächst in die Tiefe des Grundstücks, die Straßenfront bleibt verhältnismäßig schmal.

1919 entsteht in Weimar die erste deutsche Republik. Seit 1920 gehört Reinickendorf als 20. Bezirk zu Groß-Berlin. In den 20er Jahren richtete die Stadtverwaltung etwa 60 moderne Schulen im aufklärerischen Geist der Republik und der Reformpädagogik ein. Zu diesen sogenannten „weltlichen“ Schulen gehörte auch die 8. Volksschule in der Auguste-Viktoria-Allee. Das Kollegium war stark geprägt von den Ideen des „Bundes entschiedener Schulreformer“, einer der entschiedensten Verfechter war Hermann Schulz. Zu diesen Ideen gehörten u.a. die Bildung einer differenzierten Einheitsschule mit Pflicht- und Wahlbereichen und die Betonung produktiver Arbeit. Daran erinnert auch der Schulgarten mit dem Gedenkstein für Hermann Schulz.

1933 wird mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten Schluss gemacht mit einer fortschrittlichen Erziehungsarbeit, die 8. Volksschule wird gleichgeschaltet. Hermann Schulz wird wie auch andere Kollegen aus dem Schuldienst entlassen. Er beteiligt sich aktiv an der geheimen Widerstandsarbeit der Sozialistischen Arbeiterpartei, der damals auch Willy Brandt angehörte. Ein Teil der Architektur der 30er ist die Terrasse über dem jetzigen Schuleingang. Sie entstand 1935-1937 zusammen mit dem vorderen Treppenhaus, zwei Räumen zur Straßenseite, jeweils zwei Klassenräumen vom Erdgeschoss bis zur 2. Etage und der Gestaltung des 3. Stocks als Giebeldach mit kleinen Räumen und Gauben.

Aus der NS-Zeit stammen außerdem noch auf dem Schulgelände Bunker, die sich z.B. unter dem Schulparkplatz befinden.

1942 wird Hermann Schulz von der Gestapo verhaftet, „verhört“ und misshandelt. Am 12. November 1942 erhält seine Frau die Mitteilung, dass sich ihr Mann das Leben genommen habe. Er hat sich einen Lichtschacht im Polizeipräsidium hinuntergestürzt, wahrscheinlich um nicht andere Widerstandskämpfer zu verraten.

Am 21. September 1946 wird anlässlich einer Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Faschismus die 8. Volksschule Reinickendorf in Hermann-Schulz-Schule umbenannt.

Nach der Aufhebung der zunächst in Berlin eingerichteten Einheitsschule tummeln sich hier Schüler der Oberschulen Praktischen Zweiges (heute Hauptschule) und Technischen Zweiges (heute Realschule) mit Massen von Grundschülern.

Die spätere 5.OH/OR hat ein gemeinsames Kollegium. Die Grundschule ist mit fast 1000 Schülern eine der größten Berlins. Raumnot erzwingt die Errichtung von Pavillons mit acht mobilen Klassenräumen, die seit 1968 von der Grundschule genutzt werden.

1970 erfolgt dann der Bau der Neuen Sporthalle mit besonders hohem Reparaturwert, heute „solarisiert“. Die Grundschule wird geteilt und kann endlich neue Räume beziehen: 1972 am Foxweg (Reineke-Fuchs-Schule) und 1973 in der Kienhorststraße (Hermann-Schulz-Schule). Verbunden mit dem Auszug der Grundschule ist die bauliche Umgestaltung des Hauptgebäudes für die jetzige alleinige Nutzung durch die Oberschule. Herrliche Zeiten, denn der normale Schulbetrieb geht weiter, Baulärm fördert ja bekanntlich die Konzentration. Das Schulgebäude bietet heute noch weitgehend die Raumgestaltung, die damals entstand.

In den 70er Jahren entstanden überall in Berlin Gesamtschulen als riesige Bildungszentren mit teilweise „lichtgebremsten“, und - wie sich leider später herausstellen sollte - Asbest verseuchten Räumen als Ganztagsschulen. In Reinickendorf wich man insofern davon ab, dass man die dritte Gesamtschule im Bezirk in einem alten Schulgebäude, nämlich in der Auguste-Viktoria-Allee 37 einrichtete. Auf Grund der baulichen Gegebenheiten war nur ein Halbtagsbetrieb möglich, eine Mensa fehlte und fehlt.

Nach mehreren Umbauten nimmt am 1. August 1976 die 3. Oberschule Reinickendorf, 8-zügig geplant, ihren Betrieb als Gesamtschule mit zunächst zehn Zügen auf. Die noch bestehende Haupt- und Realschule wird 1979 aufgelöst. 1980 wird mit einer gymnasialen Oberstufe „draufgesattelt“, die Mittelstufe auf sechs Züge „heruntergefahren“.

Am 13. September 1983 bekommt die Gesamtschule in einem Festakt mit vielen Honoratioren ihren bis heute bestehenden offiziellen Namen: „Max-Beckmann-Oberschule – Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe“.

Klaus Fleischmann

 
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